Den Abschied von Island begannen wir am Abend in Hafnarfjörður. Im Hafen entstanden bei Abendsonne, Fisch-Chips und Brennivín
die obligatorischen Erinnerungsgruppenfotos. Das letzte landestypische Essen gab es in einem kleinen Restaurant unweit des
Hafens. In das gemütliche Beisammensein und typische Geschnatter nach dem Essen hinein blies der Reiseleiter schließlich zum
Aufbruch, da die bevorstehende Nacht bis zum Rückflug kurz war. Im Abendrot der spät untergegangenen Sonne fuhren wir noch
durch die Vororte und dann wieder hinein nach Reykjavík. Die Abendstimmung war bedrückend und gleichzeitig auch mit das
Betörendste der gesamten Reise - es war meine Zeit, mein Licht.
Zurück im Hotel begannen die ersten Verabschiedungszeremonien, da fünf Leute eine weitere Woche auf Grönland bzw. Island
dranhängten und somit nicht den Zwang verspürten, am nächsten Morgen mitten in der Nacht wieder aufzustehen. Beim anstehenden
Kofferpacken ließ ich mich immer wieder vom gigantischen Autokorso ablenken, der wie jedes Wochenende durch die Innenstadt
Reykjavíks und dabei auch unter den Fenstern des Hotels entlangrollte. Die dicken Motorräder wurden nur zum Donnern richtig
aufgedreht und danach meist direkt wieder ausgemacht. Zwei Mal an diesem Tag hatte ich es erlebt, daß durch eins dieser
Grummelmonster die Alarmanlagen der umstehenden Autos ansprangen. Natürlich präsentiert man auch in Reykjavík gern, was man
hat.
Als ich vier Uhr kurz nach dem Aufstehen aus dem Fenster sah, schien die Sonne schon wieder und der Autokorso bewegte sich
noch immer im selben Kreis. Die Menschen feierten weiter, saßen besoffen oder mit Frühstück in einer Ecke, standen heulend
oder blutend nach nächtlichen Dramen der einen oder anderen Art am Straßenrand. Mir kam es alles unwirklich vor, als wir
noch leicht benommen von der kurzen Nacht mit dem Bus aus Reykjavík hinausfuhren. Kurz hinter uns lieferten sich zwei
Autofahrer ein Sprintduell zwischen den Ampeln der Innenstadt. Und dann ließen wir die Hauptstadt hinter uns und fuhren in
ähnlich betörenden Farben wie am Abend zuvor und mit der erfrischenden Morgenmusik aus Helgis Radio in Richtung Flughafen.
Helgi ließ es sich nicht nehmen, uns auch zu dieser frühen Stunde noch ein letztes Mal zu chauffieren. Die Isländer bleiben
ein ungewöhnliches Völkchen, aber sie scheinen trotz der widrigen Umstände viel richtig zu machen, wenn sie gemäß der
Statistiken nach eigener Aussage zu den glücklichsten Menschen der Welt zählen.
Vom Rückflug gibt es schließlich nichts positives mehr zu berichten, obwohl ich mich wegen des guten Wetters darauf gefreut
hatte, Island und Schottland aus der Luft zu sehen. Aber mein Fensterplatz entpuppte sich als wackliger Sessel neben einem
Fischaugenguckloch in der Einstiegstür. So viel also zur grandiosen letzten Aussicht. Das Ersatzprogramm im Bordfernsehen
war auch miserabel, aber es verkürzte die ansonsten ereignislose Flugzeit. Und schon waren wir wieder zurück in Frankfurt.
Flinke Gepäckausgabe, ruckzuck beim Shuttle-Bus, ruckzuck am Terminal I und ab in die S-Bahn nach Hause. Zurück im Moloch
Frankfurt, nachdem ich in den zwei Wochen Island genau so viele Isländer gesehen hatte, wie Menschen auf dem S-Bahnsteig am
Frankfurter Flughafen. Verrückt.
Und das war's. Auf Wiedersehen Island!