Für den letzten Tag war geruhsames Ausklingen des Urlaubs angesagt, bei einer Besichtigungstour durch die Hauptstadt. Das
Zentrum erkundeten wir zu Fuß. Denkmäler wichtiger Isländer; große Fotowände auf dem Marktplatz als Ausschnitt eines neuen
Bildbandes über das Leben der Menschen im Norden; junge Isländer, die kurzärmlig auf der Wiese lagen und die Sonne zum
Wochenende genossen, während wir Touristen uns noch immer in unsere warmen Allwetterjacken kuschelten; der neue Þing als
Ablösung zu Þingvellir, 1881 zu Kontrollzwecken in Hausform in Reykjavík errichtet. Und den Abschluß der ersten Runde bildete
der heilige See der Reykjavíker, der Tjörnin. An dem wurden des Nachts schon mehrere Denkmäler und sonstige Symbole einfach
weggesprengt, weil sie angeblich den See verschandelten. Auf ihn ließen die Reykjavíker nichts kommen. Höchstens ein paar
Vögel - und seit neuestem das Rathaus. Letzteres aber auch nur, weil es dringend nötig wurde und der Architekt das neue
Gebäude in einer sehr offenen, den See einbeziehenden Form konzipierte. Nun besaß eine Ecke des Tjörnin also venezianischen
Charakter.
Vom Rathaus ging es mit dem Bus weiter, bis zum Aussichtspunkt Perlan über der Stadt. Von der "Perle" auf den
Heißwassertanks eröffnete sich eine tolle Rundumsicht auf Reykjavík. Noch dazu bot Perlan zwei weitere Geysire, einen mit
kaltem Wasser direkt unter der Perlankuppel und den Heißwassergeysir im Außenbereich. Beide waren zwar nur künstlich angelegt,
aber dennoch hübsch anzuschauen.
Von Perlan führte uns die Tour zurück in die Stadt und auch vorbei an Höfdhi. Um das Bild nicht unkommentiert stehen zu
lassen, schließlich schlummerte in den Mauern das alten Hauses große Geschichte. An diesem Ort fand 1986 das Treffen zwischen
Gorbatschow und Reagan statt, bei dem es um Abrüstungsfragen ging. Es wurde nach einem neutralen Treffpunkt gesucht, der in
der Mitte zwischen beiden Mächten des Kalten Krieges lag und Reykjavík wurde dafür auserkoren.
Nächster Halt: Hallgrímskirkja. Vom Meer aus das bestimmende Gebäude Reykjavíks, weil es alles andere deutlich überragt.
Dabei entbehren ihre gewaltigen Ausmaße ziemlich der realen Grundlage, was wohl auch die paar tausend Einwohner der Gemeinde
so sahen, als dieser Riesenbau in ihrer Nachbarschaft errichtet wurde. Aber der Architekt mußte sich wohl austoben, wofür
auch die über 40-jährige Bauzeit spricht. Praktisch blieb sie erfreulicher Weise schlicht genug, um darin nicht erschlagen
zu werden. Die charakteristische Front versinnbildlicht ein Stück Island - die überall auftauchenden Basaltsäulen aus
erkalteter Lava.
Und schon war der Mittag des letzten Tages erreicht und wir kamen im Hafen von Reykjavík an.