"Fjorde kann man nie genug sehen." Dieser Stoßseufzerromantik unseres Reiseleiters konnte ich mich nur anschließen.
Auch ohne die noch zerklüftetere Westküste Islands zu kennen, war ich angetan von den Ostfjorden. Allerdings hatte
uns am Frühstickstisch in unserer Waschküche Breiðalsvík schönes Wetter entgegengelacht. Das hätte uns gleich stutzig
machen sollen. Und je weiter wir in den Süden kamen, umso mehr litten die Fjorde unter hartnäckigem Seenebel.
Entsprechend betrüblich war hin und wieder die Sicht, aber wir sahen dennoch Meer und Brandung, Ausgleichsküsten und
versandete Fjorde, in denen sich tausende Schwäne für den Abflug Richtung Süden vorbereiteten.
Der kurze Kaffeepause-Shopping-Stop in Djúpivogur lieferte den Motivjägern all die Fjordromantik in einem Augenblick.
Und er brachte eine weitere, lustige Geschichte unseres Reiseleiters Schrägstrich Märchenonkels zum Vorschein, um all
denen wieder ein wenig Leben einzuhauchen, die beim Blick auf anhaltende Nebelbänke vor den Busfenstern in Halbschlaf
verfielen. Der Fischereihafen von Djúpivogur war bei einem früheren Besuch ein paar Jahre zuvor seltsamer Weise
völlig leergefegt. Keinerlei Fischerboote lagen mehr vor Anker. Bis plötzlich Motorengeheul zu hören war und kurz
darauf die komplette Flotte mit Mordstempo in den Hafen brauste und dort anlegte. Aber keine Panik, es
folgten weder die Ausläufer von Seebeben, noch gewaltige Seeungeheuer. Vielmehr handelte es sich um eine Inszenierung
fürs japanische Fernsehen. In einer Dokumentation sollten isländische und japanische Fischereihäfen und ihre
Gemeinsamkeiten und Unterschiede vorgestellt werden. Damit es den späteren Zuschauern nicht genauso erging wie
nebelgeplagten Bustouristen, hatte der Regisseur seinem Film eine gehörige Portion mehr Action verordnet als es sie
in Wirklichkeit gab.