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typischer isländischer Wegweiser Hengifoss, Aufstieg
Hengifoss, Aufstieg Hengifoss, Aufstieg
Hengifoss, Aufstieg Hengifoss, Aufstieg
Hengifoss Hengifoss
Hengifoss, letzter Rastplatz vor der Flußüberquerung Hengifoss, letzter Rastplatz vor der Flußüberquerung
Hengifoss Hengifoss
typisches Steinmännchen beim Abstieg vom Hengifoss Gebiet um den See Lögurinn
Hochformatiges

Der morgendliche Blick aus dem Fenster verhieß nichts Gutes. Der Nebel vom Vorabend hing noch immer im Gletschertal. Also ging der Griff zu den dicken, warmen Klamotten. Das rächte sich 80 Kilometer und ein paar Fjorde später in Egilsstaðir. Dort empfing uns blauer Himmel und strahlender Sonnenschein. Was haben wir geschwitzt auf dem doch passablen Anstieg zum Hengifoss, der über dem südwestlichen Zipfel des Sees Lögurinn thront. Die wahre "Größe" eines Wasserfalls wird zwar in Wassermenge gemessen, aber mit 118 Metern Fallhöhe überragt er beispielsweise den Dettifoss um einiges. Folglich entstanden auch überdurchschnittlich viele Hochformatbilder an diesem Tag. Und die Winzlingsmenschen auf einigen Bildern zum Größenvergleich müssen regelrecht gesucht werden.
Schon der Anstieg war attraktiv mit kleineren Wasserfällen und hübsch anzuschauenden Blickfängen entlang des Abflusses. Oben angekommen, ein hübsches Fleckchen Steinwildnis am Fluß als Rastplatz, Fotos geschossen, in einen Apfel gebissen, dann folgte schon der Aufruf des Reiseleiters an die Mutigen, auch noch die letzten Meter direkt bis zum Wasserfall in Angriff zu nehmen. Uns lagen auch nur unzählige, teils mannshohe Steine und drei zwangsläufige Flußüberquerungen im Weg. Mußte ich Frauen beeindrucken? Mich? Oder war es die pure Abenteuerlust, um mich von der "Rentnerreise" ein wenig abzuheben? Auf jeden Fall hatte ich mein Säcklein sofort für den Aufbruch geschnürt. Der Abmarsch verzögerte sich allerdings, da sich mir keine Flußstelle offenbaren wollte, an der die Überquerung zweifelsfrei trockenen Fußes gelungen wäre. Ein kleines, aber entscheidendes Hindernis fand sich immer. Blieb letztlich doch nur der Hauptweg, an dem sich schon reichlich andere versucht hatten. Und prompt war der erste Fuß am letzten Stein nass. Zum Ausgleich taufte ich während der dritten Flußüberquerung auch gleich noch den anderen Fuß am wiederum letzten, wackelnden Stein. War es das wert? Aus dem Blickwinkel der Wasserfallbeobachtung fast nicht, ließ sich der Hengifoss aus nächster Nähe doch kaum mehr in voller Größe einfangen. Noch dazu war es - man mag es kaum glauben - auch vor diesem Wasserkoloss wieder ziemlich feucht. Aber an diesem Vormittag war und blieb der Weg das Ziel, was sich auch auf dem Rückmarsch wieder bewahrheitete. Dabei hielt ich mich an die Wegvorschläge der anderen vier mutigen Recken und schaufelte mir meinen linken Schuh gleich noch einmal ausgiebig voller Wasser. Zum Glück hatte ich mir einen passenden Tag für meine Islandtaufe ausgesucht. Dank des guten Wetters trockneten die Schuhe am Fuß. Spätestens beim gemeinschaftlichen Picknick im großen, neuen Waldgebiet auf der gegenüberliegenden Seite des Sees Lögurinn. Allen die es interessiert, muß ich aber leider mitteilen, daß ich von keiner Uferseite, keiner Anhöhe und keiner der überquerten Brücken den Seewurm Ormur auftauchen sah, der auf dem Grund des Lögurinn hausen soll. Reisenden, die sich nur wegen dieses Seeungeheuers auf den Weg nach Island machen, müßte ich also unter Umständen von ihren Plänen abraten.
Für die zweite Fahrt zum Hotel in Breiðalsvík wurde uns an diesem Abend die gemütlichere Strecke entlang der Ostfjorde angeboten. Vorbei auch am neuen und dann europaweit größten Aluminiumwerk von ALCOA. Das dort verarbeitete Bauxit wird in Zukunft extra aus Neuseeland in den Reyðarfjörður geschippert. Die billige Energie für die Aluminiumschmelze liefert dann das neue Wasserkraftwerk, dessen Staudamm wir am Tag zuvor im Hochland in der Nähe der Schlucht Dimmugljúfur bereits in Grundzügen erkennen konnten. So schloß sich der Kreis und bei diesen massiven Einschnitten in die isländische Natur ist auch verständlich, warum Naturschützer dagegen Sturm liefen. Offensichtlich vergeblich, wie die Baustellen im Hochland und an den Ostfjorden beweisen.
Wir nutzten die noch verbliebene Ruhe und genossen die tolle Strecke entlang der Fjorde, mit Blick auf den Ozean. Bis wir wieder zurück in unsere "Bucht des breiten Tals" kamen, wo noch immer die selbe dicke Suppe vom Morgen festhing.