Viel Spaß beim Versuch, den Namen des letzten Tagesziels korrekt auszusprechen: Skútustaðir. Schon aus der Luft hatten
wir die Pseudokrater gesehen, die diesem Örtchen am Südwestufer des Mývatn zu einem Touristenziel verholfen hatten. Die
Krater sind keine Überreste erloschener Vulkane, sondern entstanden aus dem selben Lavastrom, der auch Dimmuborgir formte.
Die Lava überfloss ein Sumpfgebiet, das Wasser verdampfte unter der Lavadecke und durchbrach diese schließlich in einzelnen
Explosionen, was zu diesen charakteristischen, kraterförmigen Öffnungen führte.
Sollte sich bereits jemand gefragt haben, warum der Mývatn Mývatn heißt, hier kommt die Auflösung. Mý steht für Mücke und der
Mückensee ist auch ein Mückensee. In derartig rauen Mengen waren mir die kleinen Biester bisher noch nicht untergekommen. Zu
den Hochzeiten im Sommer sollen dunklen Säulen über den See stehen - riesige Mückenschwärme im Paarungsfieber. Ganz so
schlimm war es bei uns zum Glück nicht mehr, aber wenn einem auf Schritt und Tritt mindestens 30 dieser Tierchen um den Kopf
schwirrten, war das ungemein lästig. Entscheidender Vorteil und somit auch der Grund, warum man nicht ständig schreiende und
wild um sich schlagende Touristen in Richtung Vatnajökull sprinten sah, war die Tatsache, daß es sich um keine Stechmücken
handelte. So betrachtet waren sie also harmlos, aufgrund ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit hielt sich die Erleichterung
leider dennoch in Grenzen. Pfiffige Isländer nutzten das rings um den Mývatn für sich aus und verkauften Mückennetze, die
sich die Touristen über die Köpfe ziehen konnten. Meine Kapuze tat's auch und verhalf neben Linderung der Mückenplage somit
auch zu ungetrübteren Aussichten auf Pseudokrater und idyllische Seelandschaften in der Nachmittagssonne.
Kopf unter die Flügel stecken und zur Ruhe kommen. Gleiches wie für die Graugänse galt dann auch für uns nach einem
ereignisreichen Tag am Myvatn. Mit Brennivín und Fisch-Chips wurde vor malerischer Mývatn-Kulisse Bergfest gefeiert und zum
Abschluß des Tages demonstrierte uns ein Isländer, wie Brotbacken auf Isländisch funktioniert. Wer es sich noch nicht denken
kann, die Zauberformel lautet wieder einmal Erdwärme. Man buddele in geeigneter Lage ein Loch, versenke darin eine alte
Waschmaschinentrommel und schon ist er fertig, der Islandofen. Zum Backen des Brotes eignen sich offensichtlich leere
Milchpackungen besonders gut, in die der Teig gefüllt wird. Die wiederverschlossenen Milchtüten legt man in die
Waschmaschinentrommel, packt einen Deckel auf sein Loch und kommt 24 Stunden später wieder. Davon ausgehend, daß uns der
Isländer nicht veralbert hat, funktioniert dieses Prinzip ausgezeichnet. Wir durften das Brot aus der frisch vor unseren Augen
aufgeschnittenen Milchpackung probieren und es schmeckte vorzüglich. Und die restlichen Brote gab's für das Picknick am
nächsten Tag obendrauf.