Im Norden ist es milder, hieß es. Es gibt weniger Regen, hieß es. An diesem Tag mußte ich mich belehren und womöglich beinahe überzeugen lassen, daß das nur wieder ein Witz unseres Reiseleiters
war. In Wahrheit ist es eisig und regnerisch. Nicht umsonst nennt sich eine Modemarke auf Island 66° North. Der Polarkreis war nicht mehr weit entfernt. Bei ungenauen Messungen mithilfe einer
"Hightech"-Wetterjacke - Thermometer embedded - kamen wir auf 2° Celsius; und das an einer Stelle, die noch nicht einmal als sonderlich unangenehm empfunden wurde. Da gab es trotz
Islandausrüstung
empfindlich kühlere Besichtigungsstops an diesem Tag. Aber der Freude tat es keinen Abbruch. Und Hljóðaklettar war ein spannendes Wandergebiet direkt am Ufer der Jökulsá. Entsprechend skurrile
Gesteinsformationen fanden sich auch wieder am Weg, immer dort, wo Lava-Ströme in die Jökulsá geflossen und erkaltet waren und sich so in die Echofelsen verwandelt hatten. Die bekamen ihren
Namen auch nicht
daher, daß man durch lautes Hineinrufen den Namen des Bürgermeisters von Wesel erfahren kann, sie heißen so, weil sich die Echofelsen aufgrund ihrer Entstehung alle ähneln.
Leider blieb uns der höchste Punkt unserer Tour verwehrt, der Rauðholar ("roter Hügel"), ein erloschener Vulkan mit rot gefärbten Hängen, war zum Schutz vor weiteren Hangabrutschen für Besucher
gesperrt. So gab es für uns nur Fotos dieses ungewöhnlichen Farbtupfers vom Fuße des letzten Anstiegs aus.
Auf dem Rückweg kristallisierte sich bei einigen bestimmt ein Speisewunsch für das Abendessen heraus, und gleichsam bereuten wir, kein Körbchen für Pilze mitgenommen zu haben. Sie sprossen zwar
nicht in rauen Mengen aus dem Boden, aber lockten doch an etlichen Stellen direkt vom Wegesrand. In Gedanken rührten wir schon unser Pilzsüppchen. Zu dumm, daß ich mir nicht notiert habe, was
es an diesem Abend tatsächlich zu essen gab.