Nach der Kargheit des Hochlandes und den kleinen Siedlungen am Weg bildete Akureyri das dann auch wieder wohltuende
Gegenstück. Am Eyjafjörður im Norden Islands ist eine richtige Stadt aus dem Boden gewachsen - mit 16.000 Einwohnern, einer
Universität, einem Theater, Museen, mehreren guten Hotels, buntem Treiben im Stadtzentrum, einer protzigen evangelischen
Kirche, sowie einer beschaulichen Einfamilienhauskirche der Katholiken und auch lauten amerikanischen Kinoklängen, die am
Abend zuvor durch das geöffnete Hotelfenster schallten.
Offensichtlich gehört Akureyri auch zu den Häfen auf der Kreuzfahrtroute der "Queen Elizabeth 2", die uns am Morgen
überraschte. Der Luxusliner gab zwar ein passables Bildmotiv ab, entließ aber leider auch unzählige Reiserentner, die
uns den ganzen Tag über an den Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung vor den Füßen herumspringen sollten. In der
Hinsicht kann das weite Island hin und wieder doch zu klein werden. Und so ist auch verständlich, daß es vielen nicht
schmeckt, daß die Touristenzahlen in Zukunft auf bis zu eine Million jährlich hochgeschraubt werden sollen - was ganz
nebenbei der dreifachen Einwohnerzahl des Landes entspräche.
Um den Kreuzfahrerhorden wenigstens ein klein wenig zu entgehen, ließen wir den Tag geruhsam mit den Sehenswürdigkeiten
Akureyris beginnen. Neben dem Botanischen Garten liegt gleich die Internatsschule, deren Grünflächen - wie es Brauch ist -
mit Skulpturgeschenken der Abschlußklassen verziert sind. Und nach den Kirchenbesichtigungen ging es im Anschluß weiter zum
Nonnahús. Für mich eine echte Bildungslücke, wie ich eingestehen mußte, konnte ich mich doch nicht erinnern, in meiner
Kindheit je mit den Nonni-Büchern in Kontakt gekommen zu sein. Autor Jón Sveinsson, Jesuitenpater aus Akureyri und
bekanntester Sohn der Stadt hatte in besagtem Haus ab 1850 mit seiner Familie für ein paar Jahre gelebt. Inzwischen ist das
winzige Holzhäuschen, in dem man sich ständig irgendwo den Kopf anstieß und das körperliches Verbiegungstalent verlangte,
um überhaupt um alle Ecken und in alle Winkel zu kommen, ein Museum, das Buchausgaben und persönliche Gegenstände von Jón
Sveinsson beherbergt.
Nach dem gemütlichen Spaziergang durch die Stadt ging es wieder zurück auf die Straße und wie beim Hineinfahren konnte ich
mir auch beim Abschied von Akureyri entlang des Eyjafjörður beim besten Willen nicht die gewaltigen Gletscher vorstellen,
die diesen beeindruckenden, längsten Fjord Islands und seine Nebentäler erschaffen hatten.