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Sprengisandur-Route, Bodenerosion Sprengisandur-Route, Bodenerosion
Sprengisandur-Route, Áldeyarfoss Sprengisandur-Route, Basaltsäulen am Áldeyarfoss
Sprengisandur-Route, Áldeyarfoss Sprengisandur-Route, Steinformationen am Áldeyarfoss
Dunkle Kriminalfälle im Hochland

Schwarze Wolken drohten über der Kiðagilsá-Schlucht am Rande des Hochlandes, als sich ein kleines Grüppchen Touristen zum Nachmittags-spaziergang aufmachte. Unheilschwanger waberte der Wind um erschrockene Ohren und als einzelne Blitze aus dem Gewitterschwarz zuckten und heiser krächzende Vogelschwärme über der Schlucht aufstiegen, rissen bei den ersten die Nerven und sie flüchteten zurück zum Bus. Die anderen liefen unbeirrt weiter, trotz des Gefühls des Bösen ringsumher. Schauerliches lag in der Luft, womöglich gar ein Verbrechen, das es aufzuklären galt. Das Grauen hatte einen Platz über der Kiðagilsá-Schlucht und schon kurz darauf standen die letzten Verbliebenen im kleinen Kreis darum und starrten es minutenlang mit wortlos offenstehenden Mündern an, unfähig das Gesehene zu erfassen. Zu unseren Füßen lag ein kleiner, halber Unterkiefer. Nicht der eines Menschen und den Schneidezähnen nach zu urteilen war an dieser Stelle das jähe Ende auch nicht über ein Schafleben hereingebrochen. Aber was war passiert? Wer war das arme Opfer, dessen letzte Zahnreste wir in den Händen hielten? Welche Untat mußte hier begangen worden sein? Wurden wir alle zu verspäteten Zeugen eines grausamen Mordes? Oder war der Unterkiefer gar nur zur Belustigung der Touristen mitten auf dem Weg ausgelegt worden?

Am nördlichen Ende der Sprengisandur-Route, dort wo sich das Grün wieder blicken ließ, war aber auch deutlich erkennbar, daß die Richtung eigentlich genau die entgegengesetzte ist. Nicht das Grün erobert sich wieder Teile des kargen Hochlands, vielmehr kann sich das Hochland durch Bodenerosion immer weitere Landstriche einverleiben. Und dennoch werden auch an dieser umkämpften Grenzfläche fleißig weiter Höfe betrieben - wie man sieht.
Bevor es nach über 300 Kilometern Hochland-Strecke ins Ziel nach Akureyri ging, wartete der Áldeyarfoss zum Abschluß des Tages. Ein netter kleiner Wasserfall, dessen Hauptattraktion aber die ihn einrahmenden Basaltsäulen sind - Spuren vergangener Lavaströme.
Festzustellen war am anderen Ende Islands allerdings noch, daß das Wetter durchaus überall gleich sein kann. Es regnete auch im Norden munter weiter vor sich hin. Aber das Material hielt dem Härtetest unbeirrt stand.