Es hieß, durch die geschützte Lage wäre mit besserem Wetter zu rechnen. So könnten viele Berichte über isländische
Attraktionen beginnen. Das galt für die Þórsmörk und gleichermaßen für Landmannalaugar. Die umschließenden Berge und
Gletscher sollen für ein eigenes kleines Mikroklima sorgen. Genau genommen prasselten die heftigsten Niederschläge seit
Beginn der Reisezeitrechnung auf uns hernieder. Mitfühlend blickten wir auf die unzähligen Zelte rings um die namensgebenden
heißen Quellen (isländisch "Laugar") und waren froh, zu den Urlaubern zu gehören, denen für den Abend wieder ein warmes,
trockenes Bett in Aussicht stand.
Negative Folge der Wetterkapriolen für uns: der Aufstieg zum Bláhnúkur wurde durch den Rundwanderweg inmitten des Lavastroms
am Fuße des ehemaligen Vulkans ersetzt. Auch wenn der Fotoapparat wegen des schlechten Wetters zu Beginn im Rucksack blieb,
es eröffnete sich eine bizarre und bezaubernde Landschaft aus haushohen Lava-Monumenten, die zum Erklettern einluden.
Großes Plus: auf der Gegenseite des Bláhnúkur beruhigte sich das Wetter weit genug, um den Wagemutigen doch noch den
Aufstieg zum Vulkan zu ermöglichen. Und gleich der erste Anstieg erwies sich als beachtliche Herausforderung. Ein
glitschiger, aufgeweichter Sand- und Schotterhang, ohne ausgetretene Pfade, dafür mit etwa 40 Prozent Steigung. Arbeiten mit
Händen und Füßen, so daß wir nach diesem härtesten Teilstück auch von Kopf bis Fuß wie echte Abenteurer durchgingen. Falls
noch immer jemand Zweifel haben sollte, natürlich wurde dieser Einstieg auf dem restlichen Weg hundertfach entlohnt. Die
bunten Berge von Landmannalaugar sahen von oben und bei Regen bestimmt gleich doppelt so gut aus. Für mich ein unbestrittenes
Highlight der Reise.
Auf dem Gipfel angekommen, gab es den obligatorischen Eintrag ins Gipfelbuch, dazu die erste Flasche Brennivín ("The original
Icelandic Schnapps") - und zur Feier des Tages natürlich auch erneut den peitschenden, waagerechten isländischen Regen.
Letzterer sorgte dafür, daß wir durchaus nicht abgeneigt waren, von der Spitze des Vulkans wieder herunterzukommen.
Übertrieben wagemutigen Urlaubern auf den bunten Bergen gegenüber erging es weniger glücklich. Sie wagten sich zu weit in die
Geröllhänge hinein und mußten per Hubschrauber abgeholt werden. Das Urlaubsvideo in Form eines Fernsehbeitrags in den
Abendnachrichten gab es kostenlos dazu - wohl aber anders als sie es sich ein paar Tage zuvor vorgestellt hatten.